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Suburbaner Raum im Lebenszyklus

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Herausgegeben von Christa Reicher und Markus Hesse

inclusive Memorandum Suburbia – Quo vadis?

Produktbeschreibung

Urbaner Diskurs – ein Lehrbuch in Kooperation mit der Uni Dortmund

Die Zukunft der Europäischen Stadt steht derzeit im Mittelpunkt von Stadtentwicklungsdebatten. Doch mehr als die Hälfte der Einwohner lebt an den Rändern unserer Kernstädte – in der Suburbia. Unter dem Einfluss veränderter gesellschaftlicher und ökonomischer Rahmenbedingungen sind nicht nur die Kernstädte von Entwicklungsdynamiken gekennzeichnet, sondern auch die suburbanen Räume, also der bebaute Raum am Rande der Zentren mit Wohn- und Gewerbegebieten sowie Standorten mit großflächigem Einzelhandel. Dieser Teil der Stadtlandschaft steht durch Alterung, energetischen Umbau und Urbanisierung zunehmend unter Veränderungsdruck und fordert einen konstruktiven Umgang mit seinen differenzierten Problemen. Die vielfältigen, gleichzeitig ablaufenden Entwicklungsmuster zeigen, wie eng Wachstum, Stagnation und Schrumpfung beieinander liegen und wie schnell sich Trends umkehren lassen.

Für den strategischen Umgang mit suburbanen Standorten gibt es bisher jedoch weder theoretische Blaupausen, noch hinreichende praktische Erfahrungen, auch verglichen mit dem Umbau der Kernstädte bzw. deren Teilräume. Die Rahmenbedingungen sind so grundverschieden (etwa hinsichtlich Maßstäblichkeit, Eigentumsverhältnissen, Sozialstruktur, städtebaulicher Struktur sowie Größe und Erfahrungen der betroffenen Kommunen), dass kaum auf die bisher beim Stadtumbau eingesetzten Methoden zurückgegriffen werden kann.

Die Vielfalt der suburbanen Räume erfordert eine diffenenzierte Betrachtung in räumlicher Hinsicht (Quartierstypen) und in zeitlicher Perspektive (Lebenszyklustypen), auf der Basis baulicher, siedlungsstruktureller, ökonomischer und sozialdemografischer Merkmale. Diese Unterscheidungsmerkmale werden genutzt, um Typologien suburbaner Räume und auf dieser Basis auch Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

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    Die Publikation basiert auf einer Studie zum suburbanen Raum, die im Rahmen eines ExWoSt-Forschungsprojekts des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung sowie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung entstanden ist (BMVBS 2013). Ziel des Vorhabens war „die laufenden Entwicklungen (im suburbanen Raum) angemessen differenziert zu analysieren und daraus Ableitungen für strategische Entwicklungen vorzunehmen“ (S. 35f.). Ausgehend von der Feststellung, dass auch suburbane Räume von negativen Entwicklungsdynamiken, wie beispielsweise der Alterung von Nachkriegssuburbanisierungsgebieten und Bevölkerungsrückgang, betroffen sind und zunehmend unter Veränderungsdruck stehen, untersucht das Forscherteam (Markus Hesse, Holger Hoffschröer, Ilka Mecklenbrauck, Jan Polívka, Christa Reicher und Daniel Tries) deren Wandel in ausgewählten Stadtregionen Deutschlands. Um der Vielfalt suburbaner Räume gerecht werden zu können, haben die Autoren auf Grundlage baulicher, siedlungsstruktureller, ökonomischer und soziodemographischer Merkmale Typologien suburbaner Räume entwickelt und darauf aufbauend Strategien zur Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen ausgearbeitet.
    Der Publikation ist das Memorandum SUBURBIA_QUO VADIS? vorangestellt. In dem Memorandum wird moniert, dass ein „unvoreingenommener, differenzierter Blick auf SUBURBIA fehlt“ (S. 23). Mit der Publikation gelingt den Autoren dieser Blick, indem sie das Lebenszyklusmodell nicht als „formal rigiden Erklärungsansatz“ sondern als „analytische Brille“ verwenden, um den Forschungsgegenstand zu betrachten (S. 60). Dadurch stehen die zeitlich differenzierten Entwicklungsverläufe suburbaner Räume, deren Rahmenbedingungen und die für die verschiedenen Phasen des Lebenszyklusmodells ausschlaggebenden Faktoren im Mittelpunkt der Untersuchung. Diese wird dadurch erschwert, dass die Raumkategorie suburbaner Raum durch die amtliche Statistik nur begrenzt erfasst werden kann. Im Bewusstsein dieser Problematik wird trotzdem, auf Grundlage der Auswertung von Indikatoren der Laufenden Raumbeobachtung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung für die Raumabgrenzung der Großstadtregionen Deutschlands (vgl. BBSR), eine Typisierung suburbaner Räume vorgenommen. Der suburbane Raum besteht in der Publikation aus den drei Raumkategorien Ergänzungsgebiet zum Zentrum, engerer Verflechtungsraum und weiterer Verflechtungsraum und somit zählen unter anderem auch die Städte Fürth, Leverkusen und Oberhausen zum suburbanen Raum. Anhand soziodemographischer, ökonomischer und siedlungsstruktureller Indikatoren gelangen die Autoren zu einer Einteilung des suburbanen Raums in acht Typen mit jeweils unterschiedlichen Entwicklungsmustern. Diese Typologie der großstadtregionalen suburbanen Räume ist die Grundlage für die Auswahl der Fallstudienregionen Hamburg, Kassel, Leipzig und Ruhrgebiet.
    Innerhalb dieser Fallstudienregionen werden jeweils drei Quartiere in drei unterschiedlichen Kommunen umfassend quantitativ und qualitativ analysiert. Bei der Auswahl sind nicht nur Wohnquartiere sondern auch Gewerbegebiete und Einzelhandelsstandorte berücksichtigt worden. Bei der Untersuchung werden die Ebenen der Stadtregion, Kommune und des Quartiers einbezogen. Die Analysen der einzelnen Fallstudien sind übersichtlich aufbereitet und gut illustriert. Besonders hervorzuheben sind die situativen Kartierungen der einzelnen Quartiere. Diese „qualitative Kartierung verdeutlicht die Bezüge zwischen den Bewohnern der Siedlung, ihren verschiedenen Teilbereichen und den umgebenen Quartieren. Hervorgehoben werden die Verbindungen, Abhängigkeiten zu Versorgungs- und Verkehrsanbindungen sowie besondere Imageträger des Quartiers“ (S. 125). In der anschließenden Querauswertung der Fallstudien haben die Autoren Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Entwicklungsverläufen suburbaner Räume ermittelt und auf dieser Grundlage drei idealtypische Phasen abgeleitet. Sie identifizieren die Aufbau-, Reife- und Übergangsphase. Diese Phasen werden hinsichtlich der gegebenen soziodemographischen und ökonomischen Rahmenbedingungen nochmals spezifiziert. Diese Typologien lebenszyklischer Phasen suburbaner Räume sind Ausgangspunkt für die Formulierung von Strategien, um Quartieren mit negativen Entwicklungsdynamiken zu begegnen. Ein besonderes Augenmerk legen die Autoren in diesem Zusammenhang auf das Placemaking als Handlungs- und Netzwerkstrategie.
    Die Publikation ist gut strukturiert. Nach der Einleitung und dem zweiten Kapitel, welches auf das Lebenszyklusmodell und dessen Übertragbarkeit auf suburbane Räume eingeht, werden im dritten Kapitel acht forschungsleitende Hypothesen von den Autoren formuliert und in Kapitel neun wieder aufgegriffen und auf Grundlage der Empirie beantwortet. Positiv zu erwähnen ist das Kapitel Methodik der Studie, welches das Vorgehen der Datenerhebung und Datenauswertung transparent darstellt. Kritisch zu hinterfragen sind, auch wenn die Autoren selber darauf hinweisen, die Abgrenzung des suburbanen Raums anhand der Raumkategorien der Großstadtregionen Deutschlands und die quantitative Untersuchung der Quartiere der Fallstudienregionen. Während die Raumabgrenzung vermutlich aus pragmatischen Gründen und zwecks mangelnder Alternativen getroffen wurde, bezieht sich die statistische Auswertung in der Regel nicht auf die Quartiere, sondern auf die statistischen Bezirke, in denen diese liegen. Die Autoren konnten jedoch nach eigener Aussage die „geringere Verwertbarkeit der quantitativen Daten […] zumindest teilweise durch die qualitativen Erhebungen (Interviews mit Stadtverwaltung und Wohnungsbaugesellschaften) kompensieren“ (S. 84f.). Vermeidbar wären die fehlerhaften Verweise auf Abbildungen im Text gewesen, die wahrscheinlich bei der Erweiterung der bereits früher veröffentlichten Ergebnisse (BMVBS 2013) durch das Hinzufügen von Fotos aus den Fallstudienquartieren entstanden sind. Offen bleibt die Frage nach den „tipping points“, den Schwellenwerten, nach deren Überschreitung ein Quartier beispielsweise in eine neue Phase des Lebenszyklus eintritt. Hier besteht weiterhin Forschungsbedarf.
    Hervorzuheben ist, wie bereits kurz erwähnt, dass nicht nur Wohngebiete sondern auch Gewerbegebiete und suburbane Einzelhandelsstandorte betrachtet werden. Bislang wurden in den meisten Arbeiten und Forschungsvorhaben ausschließlich Perspektiven von Ein- und Zweifamilienhausgebieten im suburbanen Raum untersucht. Eine einheitliche Typologie für Wohn- und Gewerbegebiete sowie Einzelhandelsstandorte ist jedoch nicht besonders überzeugend. Ungeachtet dessen scheinen sich Typologien mit Bezug zum Lebenszyklusmodell zur Differenzierung suburbaner Räume zu eignen, um deren komplexe Verlaufsformen und Wandel angemessen zu analysieren. Ergebnis der Studie ist, dass eine außerordentliche Vielfalt von Entwicklungsmustern und Problemen auch innerhalb des suburbanen Raums in Deutschland besteht. Den Autoren ist ein lesenswerter Beitrag zur Transformation Suburbias gelungen.
    Michael Steier
    Book review Erdkunde 70 (3) 2016, 288-289 by Michael Steier

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